Die letzten 19 Briefe des Soldaten Paul K.


Es hat keinen Sinn, sich zu erinnern ohne zu vergleichen.

 

Wer war Paul K.?


Paul K. wurde am 19. April 1903 in Großgerau geboren. Er war das einzige Kind von Louise und Karl K. Pauls Mutter starb im Dezember 1929 durch einen selbst abgefeuerten Gewehrschuss.

Paul suchte sein Glück als Kunstmaler. Im 2. Weltkrieg kam er als Soldat nach Polen. Ab 1. April 1944 gehörte er der 4. Kompanie des Transport-Sicherungs-Bataillons 384 mit Ein­satzraum Litz­mann­stadt (dem heutigen Lodz) an, deren Soldaten ab Sep­tem­ber 1944 an der Front eingesetzt wurden. Er schrieb von dort seinem damals alleine in Pfung­stadt lebenden 76-jäh­ri­gen Vater diese 19 Feldpostbriefe.

Seit April 1945 wird der Obergefreite Paul K. "bei Danzig ver­misst“. Mit Beschluss des Amtsgerichts Darmstadt vom 13. April 1955 wurde Paul zum 31. Dezember 1945 für tot erklärt.

Sein Vater starb am 17. Januar 1951.

Die von Paul gemalten Bilder werden heute noch gelegentlich in Ausstellungen gezeigt.


Warum veröffentliche ich diese Feldpostbriefe?


Beim Lesen dieser Feldpostbriefe gingen mir viele Fragen durch den Kopf. Hat Paul damals als 29-jähriger bei der entscheidenden Reichstagswahl im Jahr 1932 Hitler und damit letztlich auch sein persönliches Schicksal selbst gewählt?

Wir groß muss die nationalsozialistische Demagogie gewesen sein, dass Paul auch im 5. Kriegsjahr trotz des in den Briefen geschilderten Elends noch einen Sinn in diesem Krieg erkennen wollte?



Aus den Feldpostbriefen geht hervor, wie sehr sich Paul trotz des eigenen Leids um seine Angehörigen und Freunde sorgte. Wie konnte es diesem System gelingen, dass Paul in anderen Menschen keine Individuen mehr sah, sondern sie in den Singular setzend einer anonymen Masse zuwies („der Russe“)? 

Diese Feldpostbriefe zeigen, wie grausam der von den Nazis entfachte Krieg war. Sie zeigen aber auch, dass sich Menschen in hohem Maß durch Lügen und Demagogie manipulieren lassen. Wo fängt die Schuld der manipulierten Unkritischen an?

Es gibt heute vielerlei Anstrengungen, das Wissen um die Entstehung und die Folgen des Nationalsozialismus aufrecht zu erhalten. Wir hoffen, damit eine Wiederholung unwahrscheinlicher zu machen. Das setzt aber voraus, dass damalige und heutige Entwicklungen auch verglichen werden und dass erkannt wird, wohin diese Entwicklungen führen können. Damit wird nicht zwangsläufig die Singularität eines Gesamtgeschehens verletzt oder verharmlost.