Die letzten 19 Briefe des Soldaten Paul K.


Es hat keinen Sinn, sich zu erinnern ohne zu vergleichen.

 

1. Feldpostbrief: "Dieses Jahr scheint es wohl mit Pilzen schlecht bestellt zu sein."

1 ½ Seiten; Tinte; Handschrift auf einem unlinierten Bogen 25 cm x 17,5 cm

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                                    W. den 10.IX.44
                        Lieber Papa!                     „1a    1a
Nun ist Sonntag mittag und ich habe gerade Zeit Deinen Brief Nr. 18 (vom 1.9.44) zu beantworten. Herzlichen Dank. Immer denke ich wie mag es bei Dir gehen in der unruhevollen Zeit durch die Fliegerangriffe. Wie mag es inzwischen gegangen sein? Nach dem Wehrmachtsbericht scheint ihr weiter sehr oft Alarm zu haben. Der Krieg hinterläßt überall schreckliche Spuren. Ein Glück, daß es Dir zufriedenstellend geht. Die Arme werden wohl langsam auch wieder in Ordnung kommen. Jetzt wirst Du auch in Dilshofen gewesen sein, hoffentlich mit gutem Erfolg. Mit Obst scheinst Du nun gut eingedeckt zu sein. Das ist auch sehr viel wert. Dieses Jahr scheint es wohl mit Pilzen schlecht bestellt zu sein, offenbar zu trocken. Wie steht es mit Frl. Minnas Arbeitsdienstpflicht? Was hört man denn von Onkel Willy und was machen Deine Bekannten? H… hatte ich vor langem mal geschrieben. Noch keine Antwort erhalten. Weißt Du etwas über Horst? Vor allem interessiert mich auch wie es Heini weiter geht. -

Nun von hier. Der Dienst war seither weniger anstrengend. Morgens ist schon um 4.30 Uhr wecken zum Ausmarsch. So gegen ¼ vor 16.00 Uhr kommen wir zurück. Dann wird gegessen und sich richtig ausgeschlafen. Heute morgen hatten wir Ruinen nach Waffen und Gesindel zu durchsuchen. In dieser Zeit machte sich die Front sehr rege bemerkbar. Zum ersten Mal schoß der Iwan in die Stadt. Auch nachts muß man jetzt immer gefaßt sein, daß was los ist. Wie Du nach Zeitungsberichten weißt, ist jetzt der Aufstand in Warschau im Großen u. Ganzen niedergeschlagen. Noch einige Nester werden bekämpft.

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